Wärme gegen Kälte

Wenn Mitgefühl zur Initiative wird

Es gibt Momente, in denen bloßes Zusehen keine Option mehr ist. Das Projekt „Wärme gegen Kälte“ ist für mich das Sinnbild dafür, wie aus einem Impuls der Empathie eine organisierte Hilfsbewegung entstehen kann.

Die Geburtsstunde in Krisenzeiten

Als die Pandemie unsere Gesellschaft vor beispiellose Herausforderungen stellte, verschlechterte sich die Situation für jene, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen, dramatisch. Während viele sich in die Sicherheit ihrer eigenen vier Wände zurückziehen konnten, fielen für Obdachlose wichtige Anlaufstellen und Unterstützungssysteme weg.

In dieser Zeit reifte gemeinsam mit meiner damaligen Partnerin der Entschluss, nicht tatenlos zuzusehen, sondern aktiv zu helfen. Wir riefen die Initiative „Wärme gegen Kälte“ ins Leben, um den am stärksten Betroffenen zur Seite zu stehen: den Obdachlosen in unserer Stadt.

Von der Idee zur operativen Umsetzung

Diese Gründung war eine reine Herzensangelegenheit, die jedoch weit über den guten Willen hinausging. Wir bauten in kürzester Zeit ein Netzwerk auf, um Sachspenden – von hochwertigen Schlafsäcken bis hin zu warmer Kleidung und Hygieneartikeln – gezielt zu sammeln, zu sortieren und persönlich zu verteilen.

Dabei ging es uns nie nur um die materielle Versorgung. Es ging darum, in einer Zeit der sozialen Distanzierung und Unsicherheit einen Funken Menschlichkeit und echte Wärme zu schenken. Die Initiative war der Ausdruck unserer tiefen Überzeugung, dass soziales Engagement gerade dann am wichtigsten ist, wenn die Not am größten ist und strukturelle Hilfen an ihre Grenzen stoßen.

Verantwortung und Führung im Ehrenamt

„Wärme gegen Kälte“ forderte uns auf allen Ebenen. Es zeigte unsere Fähigkeit, über den beruflichen Tellerrand zu blicken und eigenverantwortlich Hilfsprojekte von Null auf zu starten und erfolgreich zu leiten. Von der logistischen Planung über die Kommunikation mit Spendern bis hin zur direkten Arbeit auf der Straße mussten wir flexibel, belastbar und lösungsorientiert agieren. Es war eine Zeit, die mich gelehrt hat, was möglich ist, wenn man eine klare Vision mit Tatkraft verbindet.

Ein ehrlicher Blick auf die Gegenwart

Ein Projekt dieser Intensität erfordert ein hohes Maß an Kontinuität und Ressourcen – sowohl zeitlich als auch materiell. Da ich den Anspruch habe, Projekte entweder mit voller Kraft oder gar nicht zu führen, habe ich mich dazu entschieden, die Initiative mangels ausreichender Ressourcen aktuell auf Eis zu legen.

Dieser Schritt ist keine Abkehr von den Werten des Projekts, sondern ein Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Sache selbst. Die Erfahrungen aus dieser Zeit – die Begegnungen, die Erfolge und auch die Konfrontation mit systemischen Grenzen – fließen heute in meine anderen Projekte ein. Der Wille, dort zu helfen, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird, bleibt mein innerer Kompass.

Wärme gegen Kälte